Wohneigentum in Deutschland: Deutschlands Eigentumsquote so niedrig wie nirgendwo sonst in der EU
Deutschland ist beim Wohneigentum Schlusslicht in Europa. Warum besitzen hierzulande deutlich weniger Menschen eine eigene Immobilie als in anderen europäischen Ländern? Und stimmt tatsächlich die Aussage, dass es früher leichter war, ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen?
Mit diesen Fragen haben wir uns bereits in unserem Landshuter Marktbericht vor zwei Jahren beschäftigt. Damals haben wir erstmals darauf aufmerksam gemacht, wie außergewöhnlich niedrig die Wohneigentumsquote in Deutschland im europäischen Vergleich ist. Die aktuellen Zahlen zeigen: An dieser Besonderheit hat sich wenig geändert.
Deutschland ist das europäische Land der Mieter
Nach aktuellen Zahlen von Eurostat lebten 2024 rund 68 % der Bevölkerung in der Europäischen Union in einem Eigentümerhaushalt. Nur 32 % lebten zur Miete.
Deutschland bildet dabei eine bemerkenswerte Ausnahme: Hier lebten 53 % der Bevölkerung in einem Mieterhaushalt, während nur rund 47 % in einem Eigentümerhaushalt lebten. Damit ist Deutschland das einzige EU-Land, in dem das Wohnen zur Miete häufiger ist als das Wohnen im eigenen Zuhause.
Zum Vergleich: In Rumänien lag der Anteil der Menschen, die im eigenen Zuhause leben, bei 94 %, in der Slowakei bei 93 % und in Ungarn bei 92 %. Auch Spanien und Italien weisen traditionell deutlich höhere Eigentumsquoten auf.
Deutschland ist also nicht nur ein Land mit vergleichsweise wenig Wohneigentum – es ist innerhalb der EU tatsächlich der Sonderfall.
Dabei lohnt sich ein genauer Blick auf die Statistik: Die häufig zitierte deutsche „Eigentumsquote“ kann je nach Datengrundlage unterschiedlich ausfallen. Das Statistische Bundesamt weist beispielsweise für 2022 eine Eigentumsquote von 41,9 % der Haushalte aus. Eurostat betrachtet dagegen die Verteilung der Bevölkerung nach dem Wohnstatus. Die Werte sind deshalb nicht unmittelbar gleichzusetzen.
Warum ist die Wohneigentumsquote in Deutschland so niedrig?
Eine einfache Erklärung gibt es nicht. Die deutsche Wohnkultur ist historisch anders geprägt als beispielsweise in vielen süd- und osteuropäischen Ländern.
Deutschland verfügt traditionell über einen starken und gut entwickelten Mietwohnungsmarkt. Mieten ist gesellschaftlich etabliert und bietet – gerade für Menschen, die beruflich flexibel bleiben möchten – durchaus Vorteile.
Hinzu kommen hohe Kaufnebenkosten, eine im europäischen Vergleich anspruchsvolle Finanzierungssituation und in vielen Regionen stark gestiegene Immobilienpreise. Besonders in wirtschaftlich starken Städten und Ballungsräumen ist der Kauf einer Immobilie für Durchschnittsverdiener eine erhebliche finanzielle Herausforderung.
Gleichzeitig beginnt die Phase, in der Menschen über den Kauf einer Immobilie nachdenken, heute häufig später. Ausbildung und Studium dauern länger, der Berufseinstieg erfolgt später und die Familiengründung verschiebt sich bei vielen Menschen nach hinten.
Das alles beeinflusst die Entscheidung für oder gegen Wohneigentum.
War es früher wirklich leichter, ein Haus zu kaufen?
Die Aussage „Früher konnte sich jeder ein Haus leisten“ hält einer genaueren Betrachtung allerdings nicht ohne Weiteres stand.
Auf den ersten Blick sprechen die heutigen Immobilienpreise natürlich dafür: Seit 1980 sind die nominalen Immobilienpreise in Deutschland stark gestiegen.
Berücksichtigt man jedoch die allgemeine Preisentwicklung und betrachtet die realen Immobilienpreise, ergibt sich ein anderes Bild. Eine Langzeitbetrachtung auf Basis von OECD-Daten kommt zu dem Ergebnis, dass die realen Hauspreise seit 1980 um etwa 15,5 % gestiegen sind. Die verfügbaren Realeinkommen legten im gleichen Zeitraum um rund 41 % zu.
Das bedeutet nicht, dass Wohneigentum heute überall und für jeden leichter finanzierbar ist. Es zeigt aber, dass ein reiner Vergleich von damaligen und heutigen Kaufpreisen zu kurz greift. Entscheidend ist immer das Verhältnis zwischen Immobilienpreis, Einkommen und Finanzierungskosten.
Der große Unterschied: die Zinsen
Ein Faktor wird beim Vergleich zwischen früher und heute besonders häufig unterschätzt: die Bauzinsen.
In den 1980er-Jahren lagen die Zinssätze für Immobilienfinanzierungen teilweise bei über zehn Prozent. Ein scheinbar günstigerer Kaufpreis bedeutete deshalb nicht automatisch eine günstigere Finanzierung.
Die vergangenen Jahre haben dagegen gezeigt, wie stark sich das Verhältnis verändern kann: Nach einer langen Phase historisch niedriger Zinsen stiegen die Finanzierungskosten ab 2022 deutlich an.
Damit wurde der Immobilienkauf für viele Haushalte spürbar schwieriger. Gleichzeitig haben sich die Immobilienpreise nicht überall im gleichen Umfang angepasst.
Die Erschwinglichkeit einer Immobilie hängt deshalb niemals allein vom Kaufpreis ab. Zins, Einkommen, Eigenkapital und Kaufpreis müssen gemeinsam betrachtet werden.
Auch aktuelle Daten zeigen, dass der Immobilienmarkt nach der deutlichen Korrektur 2022/2023 wieder in Bewegung gekommen ist. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stiegen die Preise für Wohnimmobilien 2025 im Jahresdurchschnitt wieder um 3,2 % gegenüber dem Vorjahr.
Trotzdem: Der Immobilienkauf ist heute für viele Menschen schwierig
Aus der Tatsache, dass Wohneigentum langfristig betrachtet nicht zwangsläufig unerschwinglicher geworden ist, sollte man allerdings nicht den falschen Schluss ziehen.
Für viele Haushalte ist der Kauf einer Immobilie heute tatsächlich schwierig.
Vor allem in attraktiven Städten und Regionen treffen hohe Grundstücks- und Immobilienpreise auf gestiegene Baukosten, höhere Finanzierungskosten und erhebliche Erwerbsnebenkosten. Gleichzeitig fehlt vielen jungen Haushalten das notwendige Eigenkapital.
Und auch die persönliche Lebenssituation hat sich verändert: Wer erst mit Ende 20 oder Anfang 30 ins Berufsleben startet, hat schlicht weniger Jahre, um Eigenkapital aufzubauen.
Hinzu kommt, dass Immobilien heute häufig deutlich höhere absolute Kaufpreise erreichen als noch vor einigen Jahrzehnten. Selbst wenn sich die langfristige Erschwinglichkeit im gesamtdeutschen Durchschnitt anders darstellt, kann die Situation vor Ort und für den einzelnen Haushalt vollkommen anders aussehen.
Warum Deutschland trotzdem ein Mietland bleibt
Die niedrige Eigentumsquote ist deshalb nicht ausschließlich ein Zeichen dafür, dass in Deutschland „etwas falsch läuft“.
Ein großer Mietwohnungsmarkt hat auch Vorteile. Mieter profitieren von Flexibilität und müssen sich nicht um sämtliche Kosten und Risiken kümmern, die mit dem Eigentum verbunden sind.
Gleichzeitig bedeutet Wohneigentum für viele Menschen mehr als nur eine Wohnform. Eine selbst genutzte Immobilie kann langfristig Vermögen aufbauen und im Alter eine zusätzliche finanzielle Sicherheit darstellen.
Ob Kaufen oder Mieten die bessere Entscheidung ist, lässt sich deshalb nicht pauschal beantworten.
Eigentum ist keine Frage des richtigen Zeitpunkts allein
Wer über den Kauf einer Wohnung oder eines Hauses nachdenkt, sollte sich deshalb nicht allein von Schlagzeilen über steigende oder fallende Immobilienpreise leiten lassen.
Viel wichtiger sind Fragen wie:
- Wie viel Eigenkapital steht zur Verfügung?
- Welche monatliche Belastung ist dauerhaft realistisch?
- Wie sicher ist das eigene Einkommen?
- Wie lange möchte ich die Immobilie voraussichtlich selbst nutzen?
- Welche Kaufnebenkosten entstehen?
- Welche Instandhaltungs- und Modernisierungskosten sind zu erwarten?
- Und: Passt die Immobilie auch langfristig zur eigenen Lebenssituation?
Gerade bei einer so weitreichenden Entscheidung lohnt sich eine individuelle Betrachtung statt pauschaler Aussagen über „gute“ oder „schlechte“ Kaufzeitpunkte.
Wir haben das Thema bereits 2024 aufgegriffen
Dass Deutschland bei der Wohneigentumsquote einen Sonderweg geht, beschäftigt uns nicht erst seit den aktuellen Zahlen.
Bereits in unserem Landshuter Marktbericht 2024 haben wir uns mit der Frage beschäftigt, warum Deutschland trotz seines Wohlstandes so wenig Wohneigentum aufweist – und ob früher tatsächlich alles besser war.
Unser Fazit damals wie heute: Der Blick auf einzelne Zahlen reicht nicht aus.
Immobilienpreise, Einkommen, Zinsen, Eigenkapital, Lebensplanung und die persönliche Wohnsituation müssen gemeinsam betrachtet werden.
Denn am Ende geht es nicht darum, ob Kaufen grundsätzlich besser ist als Mieten. Es geht darum, ob eine Immobilie zur eigenen Lebenssituation und zur eigenen finanziellen Planung passt.
Sie überlegen, eine Immobilie zu kaufen?
Ob Eigentumswohnung, Haus oder Grundstück: Wir unterstützen Sie gerne dabei, die Möglichkeiten realistisch einzuschätzen – mit einem Blick auf den aktuellen Markt und vor allem auf Ihre persönliche Situation.
Denn eine gute Immobilienentscheidung beginnt nicht mit dem Kaufvertrag, sondern mit einer ehrlichen Einschätzung der eigenen Möglichkeiten.
Eurostat: Housing in Europe – 2025 edition – aktuelle Zahlen zur Wohn- und Eigentumssituation in den EU-Mitgliedstaaten. Besonders interessant: 2024 lebten in Deutschland 53 % der Bevölkerung in einem Mieterhaushalt – der höchste Wert innerhalb der EU.
Eurostat – Housing in Europe 2025
Statistisches Bundesamt (Destatis): Wohnen in Deutschland – Daten zur Eigentumsquote und weiteren Wohnverhältnissen in Deutschland.
Destatis – Wohnen in Deutschland
Statistisches Bundesamt (Destatis): Preisindizes für Wohnimmobilien – aktuelle und historische Entwicklung der Immobilienpreise in Deutschland.
Destatis – Preisindizes für Wohnimmobilien
Die in diesem Beitrag genannten Zahlen und Entwicklungen basieren auf öffentlich zugänglichen Daten und Veröffentlichungen von Eurostat und dem Statistischen Bundesamt (Destatis).
Stand der Daten: September 2026






